Komik und so.
Komik und so.

An dieser Stelle gibt's in loser Reihenfolge frisches Textwerk und Gutes vom Vortag. Zum Ausschneiden, Sammeln und Liebhaben.

Aus saisonalen Grünen: Noch'n Gedicht.

 

 

Der Weihnachtsgraus (Sehr frei nach James Krüss)

 

Der Weihnachtsgraus: schwer aushaltbar

in Bottrop oder Herten,

wo einmal stur im ganzen Jahr
sich treffen die Gestörten.

 

Mit Plörre und mit Pommesfett

wird der Passant gefangen.

Mit Taiwan-Kitsch und Crêpe Suzette
ans Portemonnaie gegangen.

 

Das ganze Jahr, da hockt der Klaus

im Ordnungsamt am Schalter.

Doch plötzlich lässt die Sau er raus

Mit seinem Freund Hans-Walter

 

Und auch der Arnd aus Persebeck,

im wahren Leben Klempner,

beim Glühweinstand in Wind und Dreck

an der Laterne pennt er.

 

Die Gabi jammert steif und stur:

„Du bist ja ganz benommen!“

„Ja sicha!“ lallt ihr Männe nur,

„Drum bin ich ja gekommen!“

 

Ein andres Mal bekotzt sich gar

Der Bruder vom Hans-Peter.

Der Grund dafür war Rinds-Tatar,

das Ordnungsamt fand’s später.

 

Der Budenpächter schreit heraus:

„Hätt‘ ich das nicht genommen!

Es war schon grau wie eine Maus

Die unters Rad gekommen… “

 

Am Herzchen-Stand, man glaubt es kaum

Da steht „Ich tu dich lieben“.

Auch „Ruhrgebiet“ aus Zuckerschaum,

nur leider falsch geschrieben.

 

Die Mutti ruft, halb schrill, halb matt:

„Datt wird nich‘ mitgenommen!

Für sieben Euro back ich datt

Zuhause selbst, und zwar in Tonnen!“

 

Und Kim und Jim und Justin-Shawn

die rufen: „KARUSSELL!“

Die Eltern, freilich, hören’s kaum

vor lauter Dezibel.

 

Wer‘s festlich mag, der fragt sich dort:

„Wann weichen diese Stunden?

Sind erst die Panneköppe fort,

ist auch der Graus verschwunden?“

 

Und wirklich wahr, der Graus bleibt weg

Sobald der Markt geleert ist.

Sobald der letzte Holland-Bus

Nur weit genug entfernt ist

 

Sagt jemand nun, bei ihm zu Haus

An Donau oder Neiße,

da gibbet nich‘ so’n Weihnachtsgraus

dann sach ich: „Alter … ehrlich?“

 

Wenn ihr jetzt denkt:

„Der Vers ist Schrott!“

Na gut, ihr dürft ihn hassen.

Was man von Reimschemata denkt,

bleibt jedem überlassen

 

 

 

 

   

 

 

 

 

 

 

 

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© Sabine Bode